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Selbstbau

DIY-Projekte für Meshtastic und MeshCore Hardware.

Grundlagen

Der wichtigste Faktor für einen funktionierenden Solar-Node ist der Chip:

ChipGeräteØ StromTägl. VerbrauchSolarpanel
nRF52840RAK4631, T114, Seeed XIAO5–8 mA~120–190 mAhab 1–3 W
ESP32 (Light Sleep, kein Display)Heltec V3/V415–20 mA~360–480 mAhab 3–5 W
ESP32 (Standard, mit Display/BT)Heltec V3/V4, T-Beam50–130 mA>1200 mAhnicht empfohlen

Die Werte gelten für einen Router-Node ohne GPS, ohne Display, mit deaktiviertem BT/WiFi. GPS-Betrieb verdoppelt den Verbrauch näherungsweise (T114: ~220 h ohne GPS vs. ~119 h mit GPS bei 1100 mAh). Der Durchschnittsstrom wird fast ausschließlich durch den RX-Betrieb des SX1262 (~4,8 mA) bestimmt – eigene Sendungen machen weniger als 0,2 % der Zeit aus.

Rechner


Der Heltec V3 ist ein fertiges ESP32-Entwicklungsboard mit integriertem LoRa-Chip – günstig und weit verbreitet. Mit aktiviertem Light Sleep und deaktiviertem Display ist Solarbetrieb möglich, aber nRF52840-Geräte sind bei gleicher Akkukapazität 2–3× effizienter.

Hinter jedes Solarpanel gehört zwingend ein Laderegler. Rohe 18650-Zellen (unprotected) brauchen zusätzlich eine Schutzschaltung (BMS).

warnung

Akkus nie bei Temperaturen unter 0 °C laden – ein Laderegler schützt nicht vor Kälteschäden.

Build 1 – RAK WisBlock

Beliebteste Variante für schwer zugängliche Standorte. OTA-Updates funktionieren zuverlässig über Monate ohne physischen Zugang.

BauteilEmpfehlungHinweise
MCURAK4631 (nRF52840, SX1262)868 MHz EU-Version
BaseboardRAK19003 oder RAK1900719003 ist halb so groß, reicht für Meshtastic
Akku3–4× 18650 parallel (~3000 mAh je Zelle)Mind. 3 Ah, ergibt ~4–6 Wochen Puffer
Solarpanel3 W, 5 V, 10-zelligDirekt an RAK-Eingang (max. 5,5 V)
SchutzschaltungMini-BMS-BoardSchaltet bei ~2,8 V ab, bei Sonnenstrom wieder an
LadereglerEingebaut im RAK-BaseboardKein MPPT; alternativ CN3791 für höhere Effizienz
GehäuseAluminium IP66Kabelverschraubungen abdichten
warnung

Nur 10-zellige Panels (max. 5,5 V Leerlaufspannung) direkt anschließen. Bei 12-zelligen Panels zwingend externen Laderegler verwenden.

Variante mit RAK Unify Enclosure: RAK19007 + RAK4631, Unify Enclosure IP67, 3000 mAh LiPo – selbst bei schlechtem Wetter bleibt der Akku über 75 %.

Build 2 – Heltec T114

Einfachster Einstieg – Solar- und Akku-Anschluss bereits auf dem Board integriert.

BauteilEmpfehlungHinweise
MCUHeltec T114 (nRF52840, SX1262)ab ca. 17 €, eingebauter Solar- & Akku-Anschluss
AkkuLiPo 1100–10000 mAh oder 18650JST-PH-2-Stecker (1,25 mm)
Solarpanel3 W, 5 V, 10-zellig1 W absolutes Minimum für ideale Standorte
LadereglerEingebaut (kein MPPT)Bei > 3 W Panel externen CN3791 verwenden
GehäuseIP65/66 Kunststoff oder AluKein HT-Rohr ohne zusätzliche Abdichtung

Build 3 – Seeed XIAO nRF52840 + CN3791

Kompaktestes Format, MPPT-Laderegler für bessere Ausbeute bei wenig direkter Sonne.

BauteilEmpfehlungHinweise
MCUSeeed XIAO nRF52840 + Wio-SX1262 KitSehr kompakt, kommt mit Meshtastic vorgeflasht
Akku2× 18650 parallel oder LiPo 3–6 AhParallel schalten, nie in Reihe
Solarpanel5–6 WSpannung je nach CN3791-Konfiguration wählbar
LadereglerCN3791 MPPT-ModulMPPT-Spannung per Widerstand einstellbar
SchutzschaltungSeparates BMS-BoardCN3791 schützt nicht vor Tiefentladung
GehäuseAluminium IP66 mit Masthalterung (3D-Druck)
warnung

Bei manchen CN3791-Boards sind die Stecker verpolt – vor dem Einbau prüfen. Außerdem können Funkstörungen auftreten.

Build 4 – FakeTec v4

Open-Source-PCB das einen ProMicro nRF52840 mit einem HT-RA62-LoRa-Modul verbindet – im Formfaktor der Heltec v2/v3-Geräte. Grundaufbau (ohne Akku, Solar, Gehäuse) für ca. 10–11 €.

BauteilEmpfehlungca. Preis
PCBFakeTec v4 (Gerber-Dateien → JLCPCB)~2 €
MCUProMicro nRF52840~3–5 €
LoRaHT-RA62 oder RA-01SH (SX1262, 868 MHz)~4–5 €
Akku2× 18650 parallel (~6 Ah)
LadereglerCN3791 (passt auf die Rückseite des Boards)
SchutzschaltungSeparates BMS-Board
Solarpanel5–6 W
GehäuseKompatibel mit Heltec v2/v3-Gehäusen

Verfügbare Versionen: v3 (größere Pads, 2 Tasten), v4 (+ 3 MOSFETs für externe Hardware), v5 (integrierter Akkuschutz, JST-Stecker), MiniX (kompakte v4-Variante).

Flashen per DFU-Bootloader, danach Meshtastic-UF2 per Drag & Drop. Kein WiFi – nur Bluetooth und LoRa.

Akkus

Für Solar-Nodes kommen hauptsächlich zwei Typen in Frage: 18650-Zellen (zylindrisch, 18 × 65 mm – das gängige Rundzellen-Format aus Laptopakkus und Taschenlampen) und LiPo-Pouches (flache Folienzellen, oft mit JST-Stecker, wie in Smartphones). Beide haben 3,7 V Nennspannung und sind elektrisch identisch. Der Unterschied liegt in Form, Anschluss und Robustheit. 18650 sind günstiger, einzeln austauschbar und mechanisch belastbarer; LiPos passen besser in enge Gehäuse, reagieren aber empfindlicher auf Hitze und können sich bei Überhitzung aufblähen.

In der Community wird regelmäßig davor gewarnt, LiPo-Pouches (umgangssprachlich auch „Tütensuppen-Akkus") im Außenbetrieb einzusetzen: Die flexible Folienhülle bietet keinerlei mechanischen Schutz – schon leichter Druck, ein spitzer Gegenstand beim Einbau oder wiederholte Temperaturschwankungen können die Zelle beschädigen und einen Schwelbrand auslösen. 18650-Zellen sind durch ihr stabiles Metallgehäuse deutlich robuster und verzeihen raue Bedingungen erheblich besser.

Wenn eine Anleitung „LiPo" nennt und du 18650-Zellen hast: Das funktioniert, solange du einen passenden Zellenhalter und einen Steckeradapter verwendest. Spannung und Chemie sind gleich, nur der physische Anschluss unterscheidet sich. Die Kapazität bestimmt, wie viele Tage der Node ohne Sonnenlicht überbrückt – bei nRF52840-Geräten reichen schon 3 Ah für mehrere Wochen Puffer.

AkkuVorteilNachteil
18650 unprotectedGünstig, hohe KapazitätExternes BMS erforderlich
18650 protectedBMS integriertMinimal teurer
LiPo-PouchKompakt, leichtEmpfindlich bei Hitze
LiFePO4Hitzebeständig, mehr ZyklenEigener LFP-Laderegler nötig

Schutzschaltung (BMS)

Lithium-Akkus nehmen dauerhaften Schaden, wenn sie unter ~2,8 V entladen oder überladen werden – im schlimmsten Fall blähen sie sich auf oder entzünden sich. Eine Schutzschaltung (Battery Management System kurz BMS) ist eine kleine Platine, die den Akku vor Überladung, Tiefentladung und Überstrom/Kurzschluss schützt. Einige Boards bieten zusätzlich einen Temperatursensor, der das Laden bei Frost unterbindet – das ist für Außeninstallationen ideal, wird in der Praxis aber meist vernachlässigt: Frost ist selten, und im Winter sind die Ladeströme durch die geringe Sonneneinstrahlung ohnehin so niedrig, dass das Schadensrisiko gering bleibt.

Protected 18650-Zellen haben diesen Chip bereits eingebaut (erkennbar am leicht längeren Gehäuse). Unprotected-Zellen und LiPo-Pouches ohne eingebauten Schutz benötigen ein externes BMS-Board – in den Build-Tabellen ist das jeweils angegeben. Wichtig: Manche Laderegler (z. B. der RAK-interne) bieten einen Tiefentladeschutz; der CN3791 hingegen nicht – dort ist ein separates BMS zwingend.

Laderegler

Ein Solarpanel liefert je nach Einstrahlung schwankende Spannung – ohne Laderegler würde diese ungefiltert an den Akku gelangen und ihn durch Überladung beschädigen. Der Laderegler begrenzt Spannung und Strom auf die sicheren Ladeparameter des Akkus (4,2 V für LiPo/Li-Ion, 3,65 V für LiFePO4). Ein MPPT-Regler (Maximum Power Point Tracking) passt seinen Arbeitspunkt dynamisch ans Panel an und holt besonders bei Bewölkung oder Teilverschattung spürbar mehr Energie heraus als ein einfacher PWM-Regler.

Viele LoRa-Geräte bringen einen Laderegler bereits mit. Beim Kauf lohnt es sich zu prüfen, ob einer verbaut ist und ob sein maximaler Ladestrom für den geplanten Einsatz ausreicht. Ist ein Regler fest verbaut, muss das Solarpanel zu dessen Eingangsgrenzen passen – Spannung und Leistung des Panels dürfen den zulässigen Eingangsbereich nicht überschreiten.

ReglerMPPTMax. EingangTiefentladeschutzHinweise
RAK eingebaut5,5 VNur 10-zellige Panels
T114 eingebautMax. 1 A
CN3791KonfigurierbarWiderstand für Panel-Spannung tauschen
SD05CRMA (CN3163)6,5 VLadestrom konfigurierbar; passend für 5-V-Panels
TP4056/TP4057~6 VEinfach, günstig
TP5100Mit USB-C-Anschluss

Solarpanels

Die benötigte Panelgröße hängt stark vom Standort (Ausrichtung und Winkel zur Sonne) und dem verbauten Chip ab – ESP32-Geräte verbrauchen so viel Strom, dass ein zuverlässiger Solarbetrieb im Freien kaum möglich ist.

StandortEmpfohlene Panelgröße
Optimal (SW, >6 h Sonne)3 W; 1–2 W nur mit sehr großem Puffer
Normal3 W
Verschattet / Winter5 W+
ESP32-basiertNicht für Solarbetrieb empfohlen

Gehäuse

Ein wetterfestes Gehäuse ist für Außeninstallationen entscheidend. Die Wahl zwischen Aluminium, Kunststoff oder Fertiglösung beeinflusst Schutzklasse, Bearbeitungsaufwand und Kosten.

GehäuseVorteileNachteile
Aluminium IP66Robust, langlebig, EMV-AbschirmungSchwerer zu bearbeiten
Kunststoff IP65Günstig, leicht zu bohrenWeniger Abschirmung
RAK Unify EnclosureVorgefertigte Anschlüsse, IP67~40–50 €
NistkastenUnauffälligWärmemanagement beachten

Gehäuse immer mit Druckausgleichsstutzen oder einem kleinen Loch am tiefsten Punkt versehen: Temperaturschwankungen erzeugen sonst einen Pumpeffekt, der Feuchtigkeit ansaugt. Akku und Solar so anordnen, dass die Zelle das Gehäuse beschattet – LiPos blähen sich bei direkter Sonneneinstrahlung schnell auf.

3D-Druck: